In den zurückliegenden Wochen hat eine u.a. auch in Cicero geführte Debatte um DNA-Verunreinigungen der Covid-19-modRNA-Impfstoffe die Fachwelt, aber auch eine breite Öffentlichkeit beschäftigt. Im Folgenden zeichnet eine wissenschaftliche Autorengruppe die Diskussion nach und bewertet die möglichen Risiken der DNA-Reste.
EIN GASTBEITRAG VON PAUL CULLEN, BRIGITTE KÖNIG, BRIGITTE RÖHRIG, JENS SCHWACHTJE, HENRIEKE STAHL UND HENRIK ULLRICH am 30. Januar 2024
Das Jahr 2023 stand im Zeichen eines Schlagabtauschs zum Thema Verunreinigungen der Covid-19-modRNA-Impfstoffe mit DNA. Die Brisanz des Themas ist eine doppelte: Zum einen steht die Glaubwürdigkeit der Zulassungs- und Prüfbehörden wie der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA, des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) sowie der amerikanischen Zulassungsbehörde FDA auf dem Spiel. Zum anderen geht es um ein mögliches gesundheitliches Risiko, welches solche Verunreinigungen darstellen können, und damit um die Frage der Weiterverwendung der Covid-19-modRNA-Impfstoffe.
Die Gesundheitsgefährdung ist ebenfalls doppelter Natur: Einerseits besteht ein möglicherweise erhöhtes Risiko für schwere Erkrankungen wie zum Beispiel Krebs, andererseits kann eine Vererbung induzierter genetischer Veränderungen nicht ausgeschlossen werden.
Im Folgenden wollen wir die Etappen der Kontroverse Revue passieren lassen und grundlegende Probleme dieser Debatte aufzeigen. Aufgrund der Länge des Beitrags hat sich die Redaktion entschlossen, den Text in zwei Teilen zu publizieren. Lesen Sie heute eine Skizze des bisherigen Debattenverlaufs. Im morgigen zweiten Teil dann folgt eine aktualisierte Risikobewertung der DNA-Reste.
Kevin McKernans Entdeckung
Die Geschichte beginnt mit Kevin McKernan, Chief Scientific Officer und Gründer des Unternehmens Medicinal Genomics in Beverly, Massachusetts, USA, und ehemaliger Teamleiter des Humangenomprojekts. Für einen Versuch in seinem Firmenlabor suchte McKernan eine RNA-Kontrolle. Hierfür verwendete er Covid-19-modRNA-Impfstoffe unter der Annahme, diese müssten besonders rein sein, da sie breit verimpft werden. Zu seiner Überraschung stellte McKernan in mehreren Impfdosen eine hohe Konzentration an DNA fest. Eine Sequenzierung ergab, dass die DNA von sogenannten Plasmiden stammte.
Plasmide sind ringförmige DNA-Gebilde, die Bakterien verwenden, um Gene – etwa für eine Antibiotikumresistenz – untereinander auszutauschen. Sie werden in der Gentechnik vielfältig eingesetzt. Auch im Produktionsprozess der Covid-19-modRNA-Impfstoffe bilden gentechnisch modifizierte Plasmide den Ausgangspunkt: Sie fungieren als Blaupause, von welcher die modifizierte mRNA abgeschrieben wird, die für das Spikeprotein codiert und, verpackt in Lipidnanopartikel, verimpft wird. Nach der Umschreibung in die modRNA sollte möglichst alle DNA entfernt worden sein. Der auch für Deutschland gültige Grenzwert liegt, wie die Bundesregierung ausdrücklich bestätigt hat, bei einer Gesamtmenge von 10 Nanogramm DNA pro Dosis; hinzu kommt laut FDA eine Längenbegrenzung der DNA auf 200 Basenpaare.
Die von McKernan in den Impfstoffen gefundenen DNA-Plasmidreste enthielten das Gen für das Spike-Protein, Gene für eine Resistenz gegen Aminoglykosid-Antibiotika (Neo- und Kanamycin) und sogenannte „origins of replication“, also „Replikationsursprünge“; der BioNTech-Pfizer-Impfstoff wies zudem noch einen sogenannten SV40-Promoter/Enhancer auf, ergänzt um den SV40 Origin of Replication und das SV40 polyA signal. McKernan rekonstruierte anhand seiner Befunde die vollständigen Plasmide für die Covid-19-modRNA-Impfstoffe von Pfizer/BioNTech und Moderna. Die Plasmidkarte von BioNTech/Pfizer, die im Zulassungsverfahren vorgelegt wurde, enthält jedoch nicht alles, was McKernan nachweisen konnte – so fehlen etwa eines der beiden Gene zur Antibiotikaresistenz (Neomycin) und der SV40-Komplex (vgl. S.24, Rapporteur Rolling Review, 19.11.2020)….
mehr dazu: https://www.cicero.de/kultur/mrna-impfstoffe-covid-dna-verunreinigungen