„Schätzung der Übersterblichkeit in Deutschland im Zeitraum 2020–2022“

Anläßlich der Veröffentlichung des Artikels „Estimation of Excess Mortality in Germany During 2020–2022“ von Christoph Kuhbandner und Matthias Reizner ver­faß­te Kuhbandner eine Zusammenfassung und die­ses Anschreiben:

„Liebe Alle,
ich freue mich hier­mit mit­tei­len zu kön­nen, dass der Fachartikel zur Übersterblichkeit in Deutschland von Matthias Reitzner und mir nun end­lich peer-review­ed – begut­ach­tet von ins­ge­samt sie­ben Reviewern – in einer inter­na­tio­na­len medi­zi­ni­schen Fachzeitschrift erschie­nen ist: https://www.cureus.com/articles/149410-estimation-of-excess-mortality-in-germany-during-2020–2022

Cureus ist seit 2022 Teil von Springer Nature:

„Cureus wur­de im Jahr 2009 im Silicon Valley gegrün­det und hat eine ein­zig­ar­ti­ge, hoch­ef­fi­zi­en­te Open Access-Publikationsplattform ent­wi­ckelt. Gut geschrie­be­ne, rele­van­te und ver­läss­li­che Beiträge wer­den nach dem Peer Review-Prozess kos­ten­los ver­öf­fent­licht. […] Mit sei­ner Philosophie, wis­sen­schaft­li­che Glaubwürdigkeit über die wahr­ge­nom­me­ne Wirkung zu stel­len, hat sich Cureus als füh­ren­des Unternehmen in der Open Access-Bewegung eta­bliert. Bis heu­te wur­den mehr als 32.000 Artikel ver­öf­fent­licht und die Zahl der monat­li­chen Leser*innen ist auf über eine Million gestie­gen, wobei monat­lich mehr als drei Millionen Artikel auf­ge­ru­fen werden. […]
Springer Nature öff­net Türen zu Entdeckungen. Seit 1842 sind unse­re Marken zuver­läs­si­ge Wissensquellen für Wissenschaft, Lehre, Medizin und wei­te­re Fachgebiete. Mit unse­ren Büchern, wis­sen­schaft­li­chen Zeitschriften, Plattformen und tech­no­lo­gi­schen Lösungen errei­chen wir jeden Tag Millionen von Menschen welt­weit. Wir sor­gen dafür, geprüf­tes Wissen auf­find­bar, ver­ständ­lich und nutz­bar zu machen, damit der wis­sen­schaft­li­che Fortschritt zukünf­ti­gen Generationen zugutekommt.
Zu Springer Nature gehö­ren renom­mier­te Marken wie Springer, Nature Portfolio, BMC, Palgrave Macmillan und Scientific American.“

Das erklärt die etwas ner­vi­ge Werbung, die aber ver­schmerz­bar sein soll­te. Kuhbandner ist Psychologieprofessor in Regensburg und hier im Gespräch mit Dietrich Brüggemann über „Risikokommunikation“ zu sehen, Reizner ist Mathematikprofessor in Osnabrück und hier im Gespräch mit Gabriele Gysi über „Sterbezahlen“ zu sehen (bei­de Gespräche im Rahmen von #alle­sauf­den­tisch).

Kuhbandner hat die wesent­li­chen Ergebnisse der Arbeit zusam­men­ge­faßt, was im fol­gen­den voll­stän­dig doku­men­tiert wird.

„Damit kann man auf der Basis eines peer-review­ed Fachartikels fol­gen­de Punkte als belegt ansehen:

(1) Jahresweise Betrachtung

Jahresweise betrach­tet gab es in 2020 kei­ne auf­fäl­li­ge Übersterblichkeit, die Anzahl der uner­war­te­ten Todesfälle liegt im Bereich der übli­chen Schwankungsbreite. Im Jahr 2021 zeigt sich mit 34.000 Todesfällen mehr als sta­tis­tisch erwar­tet eine deut­li­che Übersterbklichkeit, die zwei Standardabweichungen über dem erwar­te­ten Wert liegt. Im Jahr 2022 zeigt sich mit 66.000 Todesfällen mehr als erwar­tet eine extre­me Übersterblichkeit, die mehr als vier Standardabweichungen über dem erwar­te­ten Wert liegt.

Während es im Jahr 2020 – dem Jahr des Beginns der Pandemie – also kei­ne auf­fäl­li­ge Übersterblichkeit gab, sind in den Jahren 2021 und 2022 zusam­men­ge­nom­men in etwa 100.000 Menschen mehr ver­stor­ben als es übli­cher­wei­se der Fall ist. Die Übersterblichkeit in den Jahren 2021 und 2022 ist ins­be­son­de­re in den jün­ge­ren Altersgruppen zu fin­den. Im Jahr 2022 sind in der Altersgruppe der 15–29-Jährigen 10,5 Prozent mehr Menschen als erwar­tet ver­stor­ben und in der Altersgrupe der 30–39-Jährigen 9,7 Prozent meht als erwar­tet. Hier ist die ent­spre­chen­de Ergebnisgrafik aus unse­rem Artikel:

(2) Monatsweise Betrachtung

Eine monats­wei­se Betrachtung zeigt, dass es zum Jahreswechsel 2020/2021 eine Übersterblichkeit gab, die alters­ab­hän­gig war und ins­be­son­de­re die höhe­ren Altersgruppen betraf, und die in den nach­fol­gen­den Monaten Februar und März durch eine nach­fol­gen­de Untersterblichkeit zum Teil wie­der aus­ge­gli­chen wur­de. Es han­del­te sich also schwer­punkt­mä­ßig um Vorzieheffekte, wel­che dazu geführt haben, dass vul­nerable Personen, die nor­ma­ler­wei­se im Februar und März ver­stor­ben wären, etwas früh­zei­ti­ger ver­stor­ben sind. Ab April 2021 – dem Beginn der Impfkampagne – ändert sich die­ses Muster grund­le­gend: Plötzlich zeigt sich eine Übersterblichkeit bis in die jüngs­ten Altersgruppen hin­ein, wel­che nicht mehr durch nach­fol­gen­de Phasen der Untersterblichkeit aus­ge­gli­chen wird, son­dern statt­des­sen zuneh­mend stär­ker wird. Ein genaue­rer Blick zeigt wei­ter­hin, dass die Übersterblichkeit umso spä­ter auf­taucht, je jün­ger die Altersgruppe ist, was dem zeit­li­chen Verlauf bei den Impfungen ent­spricht. Hier ist die ent­spre­chen­de Ergebnisgrafik aus unse­rem Artikel (ergänzt um eine Visualisierung des beschrie­be­nen Befundmusters):

In der Altersgruppe 15–29, wel­che von Corona prak­tisch nicht betrof­fen war, sieht man den frap­pie­ren­den zeit­li­chen Verlauf der Übersterblichkeit wie in einem Brennglas:

(3) Totgeburten

In unse­rem Artikel wird mei­nes Wissens auch zum ers­ten Mal die Zunahme der Totgeburten unter­sucht. Auch dort zeigt sich ein erschre­cken­des Muster. Verglichen mit den Vorjahren zeigt sich im zwei­ten Quartal 2021 bei der Rate der Totgeburten pro Gesamtanzahl aller Geburten ein Anstieg von 9,4 Prozent und im vier­ten Quartal ein Anstieg von 19,4 Prozent, was ver­gli­chen mit der Schwankungsbreite in den Vorjahren einem Anstieg um vier Standardabweichungen ent­spricht. Dieses Anstiegsmuster – ein ers­ter klei­ne­rer Anstieg im zwei­ten Quartal und ein stär­ke­rer Anstieg im vier­ten Quartal 2021 – stimmt zeit­lich über­ein mit den öffent­li­chen Empfehlungen zur Impfung wäh­rend der Schwangerschaft. Bereits im zwei­ten Quartal 2021 wur­de von den deut­schen gynä­ko­lo­gi­schen Fachgesellschaften eine COVID-Impfung für alle Schwangeren emp­foh­len, obwohl die STIKO noch kei­ne sol­che Empfehlung aus­ge­spro­chen hat­te (https://​www​.phar​ma​zeu​ti​sche​-zei​tung​.de/​c​o​v​i​d​-​1​9​-​i​m​p​f​e​m​p​f​e​h​l​u​n​g​-​f​u​e​r​-​a​l​l​e​-​s​c​h​w​a​n​g​e​r​e​n​-​1​2​5​3​92/). Von der STIKO wur­de dann Mitte September 2021 – also kurz vor Beginn des vier­ten Quartals – eine expli­zi­te Empfehlung einer Impfung für alle bis­her nicht oder unvoll­stän­dig geimpf­ten Schwangeren ab dem 2. Schwangerschaftsdrittel aus­ge­spro­chen. Besorgniserregend ist, dass die Totgeburtenrate auch im Jahr 2022 deut­lich erhöht ist. Hier ist die ent­spre­chen­de Ergebnisgrafik aus unse­rem Artikel:

(4) Zeitlicher Zusammenhang mit den COVID-19-Todesfällen und den COVID-Impfungen

In der Diskussion im Artikel haben wir uns dann noch die zeit­li­chen Zusammenhänge mit den COVID-Todesfällen und den Impfungen ange­se­hen. In Bezug auf die COVID-Todesfälle zeigt sich, dass die Übersterblichkeit seit Beginn der Impfkampagne nicht mit dem Verlauf der COVID-Todesfälle erklärt wer­den kann. Ab Februar 2021 ent­kop­pelt sich die Kurve der Übersterblichkeit von der Kurve der COVID-Todesfälle. Trotz einer Phase einer erheb­li­chen Untersterblichkeit wird wei­ter­hin eine hohe Zahl soge­nann­ter ‚COVID-Todesfälle‘ gemel­det, was gro­ße Zweifel an der Validität der Diagnose ‚COVID-Todesfall‘ auf­kom­men lässt. Offenbar wur­de die­se Diagnose häu­fig für Todesfälle ver­wen­det, die unab­hän­gig von ‚COVID‘ ver­stor­ben sind. Ab September 2021 ist die Übersterblichkeit höher als die Zahl der COVID-Todesfälle, und im Jahr 2022 explo­diert schließ­lich die Übersterblichkeit, wäh­rend die Zahl der COVID-Todesfälle zuneh­mend zurück­ging. Hier ist die ent­spre­chen­de Ergebnisgrafik aus unse­rem Artikel:

Beim zeit­li­chen Zusammenhang mit den Impfungen zeigt sich ein völ­lig ande­res Bild. Betrachtet man zunächst den kumu­la­ti­ven Verlauf der Anzahl der uner­war­te­ten Todesfälle und der Impfungen – also die Anzahl der uner­war­te­ten Todesfälle und Impfungen über die Monate hin­weg auf­sum­miert – zeigt sich fol­gen­des Bild (Grafik aus unse­rem Artikel):

Trotz der Tatsache, dass ein Großteil ins­be­son­de­re der in Bezug auf die Krankheitsschwere von COVID beson­ders betrof­fe­nen Personen zwei­fach bzw. drei­fach geimpft war, zeigt sich kein rele­van­ter Effekt auf die Übersterblichkeit. Stattdessen steigt die Übersterblichkeit im Jahr 2022 sogar deut­lich stär­ker an als in den Vorjahren. Allein die­se Grafik lässt die Behauptung, die Impfungen hät­ten sehr vie­le Todesfälle ver­hin­dert, absurd erschei­nen. Vielmehr bekommt man ins­be­son­de­re hin­sicht­lich der lang­fris­ti­gen Effekte den gegen­tei­li­gen Eindruck.

Eine genaue­re Betrachtung des zeit­li­chen Verlaufs der Impfungen und der Übersterblichkeit pro Monat ergibt fol­gen­des Bild (Grafik aus unse­rem Artikel):

Anders als im Vorjahr war in den Monaten mit einer hohen Zahl an Erst‑, Zweit- und Drittimpfungen auch eine hohe Zahl an uner­war­te­ten Todesfällen zu beob­ach­ten. Besonders aus­ge­prägt ist der zeit­li­che Zusammenhang zwi­schen dem Impfverlauf und der Übersterblichkeit bei der drit­ten Impfung. Im September und Oktober 2021 ging mit dem zunächst gerin­gen Anstieg der Zahl der Drittimpfungen ein ver­gleichs­wei­se gerin­ger Anstieg der Übertodesfälle ein­her. Im November und Dezember 2021 stieg die Zahl der Drittimpfungen stark an, was mit einem ver­gleichs­wei­se star­ken Anstieg der uner­war­te­ten Todesfälle ein­her­ging. Im Januar 2022 ging die Zahl der Drittimpfungen stark zurück, was wie­der­um mit einem ver­gleichs­wei­se star­ken Rückgang der Übersterblichkeit ein­her­ging. Natürlich muss Korrelation nicht Kausalität bedeu­ten. Aber genau ein sol­ches Muster wäre zu erwar­ten, wenn die Impfung als uner­wünsch­te Nebenwirkung die Anzahl der uner­war­te­ten Todesfälle erhö­hen würde.

Ich den­ke, dass unser Artikel wirk­lich star­ke Argumente lie­fert, die nun nicht mehr mit dem ‚Argument‘, das sei nicht peer-review­ed, weg­ge­wischt wer­den kön­nen. Ich wür­de mich freu­en, wenn jemand unse­ren Artikel bzw. unse­re Ergebnisse ver­brei­tet – der Artikel ist Open Access zugäng­lich. Wenn es Nachfragen zu unse­ren Analysen gibt kann man mich sehr ger­ne kontaktieren.

Herzliche Grüße
Christof Kuhbandner“

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